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Nach zwei Tagen haben wir uns die meisten Sehenswürdigkeiten in Kathmandu angesehen, nun wird es höchste Zeit,
dass wir uns um den Wein für unsere Skype-Party kümmern. Die erste Wein-adresse ist schlichtweg ein Reinfall,
es gibt fast nur alte Weißweine und im Rotweinbereich sieht es auch nicht gut aus. Da gefällt es mir im Greenland
schon besser. Hier sind alle großen Massenwein-güter aus Australien, Südafrika, Chile, Frankreich und Italien
vertreten. Das Verrückte ist, dass die Rotweine oft jünger sind als die Weißweine. So ganz überzeugt bin ich
noch nicht, deshalb machen wir uns auf die Suche nach Kirens Weinkeller. Er ist gar nicht so einfach zu finden,
weil der Wein-keller irgendwo versteckt in einem Hinterhof liegt und das Ganze in Wirklichkeit ein chaotisches
Abstelllager ist. Umso mehr bin ich überrascht, junge, gute Weißweine aus guten Weingütern zu finden und die
Preise sind akzeptabel.
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Elke und ich suchen 12 verschiedene Weine für unser Menü in Pokhara aus. Einen Riesling und einen Sankt Laurent haben wir ja aus Deutschland, dazu gesellt sich ein
Chenin Blanc, ein Rosé Cuvée und ein Merlot aus Südafrika. In der australischen Ecke entscheiden wir uns für einen Chardonnay, einen Semillon, einen Sauvignon Blanc,
einen weiteren Riesling zum Vergleich mit unserem deutschen Partner und einen Pinot Noir sowie einen kräftigen Cabernet Sauvignon. Mit einem Syrah aus der französischen
Ardeschregion und einem edelsüßen Weißwein aus der Gascogne sind wir so gut wie komplett. Fehlt nur noch ein guter Schampus. Elke entscheidet sich für einen Sparkling
Sekt aus dem australischen Weingut Lindeman, bei dem wir schon einige gute Tropfen getrunken haben. Damit auch bloß nichts schief geht, kaufen wir von jeder Sorte gleich
zwei Fla-schen, man weiß ja nie. Nachdem dieser Einkauf unsere Haushaltskasse gesprengt hat, machen wir uns wieder auf den Rückweg nach Pokhara.
China, Trudi und Even sind eingetroffen und so machen wir gemeinsam mit Sam einen Plan für die Skype-Party am nächsten Sonntag. Jeder von uns ist sich darüber im Klaren,
dass es ein besonderes Fest geben soll und so legen wir uns alle mächtig ins Zeug. Elke und Trudi machen einen Einkaufs-plan und kaufen gemeinsam für das geplante 9
Gänge Menü ein. Zusammen mit Sam überprüfen wir die Internetverbindung auf Signalstärke und Schnelligkeit. Leider stellen wir fest, dass der Zugang starke Schwankungen
hat. Uns bleibt nichts anderes übrig, als ein neues 50 Meter langes Kabel zu legen. Jeden Abend treffen wir uns bei Krishna, der schon in Deutschland in einem Zug
zwischen Hamburg und Paris gekocht hat, in seinem Sun Welcome Restaurant, um alles weitere zu be-sprechen. Der Abend endet meistens in einem Trinkgelage. Gut, dass ich
den Wein und den Sekt versteckt habe.
Auch in Deutschland laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: In unserem ehemaligen Weinbistro Stachelvino wird eine Grillparty mit Weinverkostung für Sonntagnachmittag
vorbereitet. Einige unserer Freunde haben sich zusammen geschlossen um diese Party zu organisieren und so werden Lautsprecheranlagen und eine Großleinwand für die Skype-
Übertragung installiert. Das einzige, was wir in Erfahrung bringen können, ist, dass sich viele unserer Freunde für die Party angesagt haben und jeder etwas dazu
beitragen möchte, mehr wurde uns nicht verraten.
In der Zwischenzeit stehen Elke und ich in der Küche des Castle Resort, um die ersten Speisen vor-zubereiten, gemeinsam mit dem Küchenchef, der, wie könnte es anders
sein, auch Krishna heißt. Zunächst einmal müssen wir uns in dieser kleinen Küche zurecht finden. Diese Küche hat überhaupt nichts mit einer zugelassenen ‚Standard Profi
Küche‘ in Europa zu tun. Regale für Töpfe, die ausschließlich aus Aluminium sind, gibt es so gut wie keine. Es gibt drei Kochstellen, die mit Gas betrieben werden. Da
sie undicht sind, passiert es schon mal, dass eine Stichflamme nach hinten los geht. Die Messerauswahl besteht aus einem großen viereckigen Messer, das eher einem
Hackebeil gleicht, weshalb ich froh bin, mein eigenes Messer dabei zu haben. Da ein nepalesischer Koch nie gelernt hat, nach dem Kochen seinen Arbeitsplatz sauber zu
machen, sieht es hier aus wie auf einem großen Gemüseabfallhaufen. Der Spüljunge, der zufälligerweise auch Krishna heißt und daher den Beinamen ‚Bai‘ trägt, was so viel
wie ‚der Kleine‘ heißt, hat immer ein Lächeln auf den Lippen. Das Lächeln vergeht ihm aber bald, da er unter den Unmengen von Töpfen und Geschirr kaum noch zu erkennen
ist. Es ist schon beinahe ein Wunder, wie er das gesamte Geschirr sowie die schwarz ange-brannten Töpfe ohne heißes Wasser sauber bekommt. Wir versuchen ein System in
die Küche zu bringen, was sich aber unter diesen Umständen als unmöglich erweist. Elke meint skeptisch, das hat etwas mit Akrobatikkochen in einem Zirkus zu tun, ich
weiß nicht ob wir das Menü bis zum Sonn-tag fertig bekommen.
Wie wir es doch geschafft haben, unser 9-gängiges Menü auf den Punkt fertig zu bekommen, was wir für kulinarische Hochgenüsse auf die Teller gezaubert haben und wie
unsere erste weinkulinari-sche Skype-Party mit vielen Emotionen ausgegangen ist ...
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