In Tanzing haben wir den idealen Führer für unseren Trip gefunden. Er hat nicht nur einen guten und sicheren Allrad-Jeep,
er ist zudem ein sehr netter und freundlicher Mann, der gerade Vater eines Sohnes geworden ist, worauf er mächtig stolz ist.
Zuerst habe ich so meine Bedenken wegen seiner Körpergröße. Mit 1,48m Körpergröße hat er doch alle Mühe, an die Pedale des
Jeeps zu kommen. Trotzdem hat er sein Fahrzeug souverän unter Kontrolle. Um sechs Uhr am Morgen gehts los, zuerst am Indus
entlang, der sich durch eine mächtige Schlucht zwängt und je nach Sonneneinstrahlung die Felsen in weiche, warme Farben taucht.
Hier ist der Indus noch richtig wild und ungezähmt, sein glasklares türkisfarbenes Wasser stürzt sich die vielen kleinen und
großen Kaskaden hinunter. Eva und Daniela lassen Tanzing immer wieder anhalten, um Bilder machen zu können, denn nach jeder
Kurve gibt es ein neues Aha-Erlebnis. Nach zirka 100 Kilometern halten wir an einer heißen Quelle, die so erbärmlich nach Schwefel
und faulen Eiern stinkt, dass wir auf ein Bad verzichten, aber vielleicht ist es auch der stinkende Plastikmüll, der uns davon abhält.
Das Rupsu-Tal liegt 240 Kilometer südöstlich von Leh, am westlichen Himalaya, wir erreichen es noch vor Sonnenuntergang.
Der malerische Tso Moriri liegt in einer Höhe von 4600m und ist von über 6000m Hohen schneebedeckten Bergen umgeben.
Das Wasser, das seine Farben von dunkelblau bis hin zum kräftigen Türkis wechselt, ist leicht mit Mineralsalzen versetzt,
die es aus den umliegenden Felsen herauswäscht. Im Grenzdorf Korzok, das nur aus einer handvoll Häusern besteht, finden wir
bei einer einheimischen Familie ein einfaches Zimmer mit Matratzenlager. Die Küche bildet das Zentrum des Hauses, der undichte,
gusseiserne Ofen wärmt zwar ein bisschen, doch der beißende Qualm drückt mir die Tränen in die Augen.
Die Toilette, die einen
grandiosen Ausblick über den See und die Berge freigibt, befindet sich im ersten Stock, direkt über dem Stall. Genau in der
Mitte des Raumes sehe ich ein länglichen Loch in das ich gut hinein zielen muß. Nach verrichteter Arbeit steht eine Schaufel
bereit, mit der ich mein Wunderwerk zuschaufeln muss. Dieser Dung wird später wieder als Dünger für das Feld verwendet.
Gemeinsam mit Eva, Daniela und Tanzing wandern wir am nächsten Morgen zu den Khampa-Normaden, die mit ihren Herden von
Ziegen, Kühen und Yaks über den Himalaya ziehen. Die Umgebung mit ihren vielen verschiedenartigen Pastellfarben erinnert
uns an das Hochplateau von Bolivien, alles wirkt so unheimlich und unwirklich, so als wären wir auf einem anderen Planeten.
Die Sonne strahlt vom Himmel und bringt uns ganz schön ins schwitzen. Elke bekommt Lust auf ein Bad im See, der aber so kalt ist,
dass sie letztendlich doch lieber darauf verzichtet. Tanzing ist bei einem Freund abgetaucht und wir haben nun so richtig
Hunger bekommen. Unser Gastwirt, der auf der gegenüber liegenden Straßenseite ein kleines Zeltrestaurant betreibt,
kocht uns als erstes eine heiße Nudelsuppe. Danach gibt es frittierten Reis mit Gemüse und zur Krönung indischen Dal,
eine schmackhafte Linsensuppe mit Fladenbroten. Den Rum, den er hinter dem Tresen versteckt hat, schenkt er mir heimlich
als Coca Cola aus. Die Nacht ist bitterkalt und sternenklar, Elke und ich können uns an den Sternbildern gar nicht satt
sehen und als dann auch noch der Mond hinter den Bergriesen hervor kommt, kommen wir ins Träumen und Schwärmen.
Was für eine Ruhe denken wir, doch wir haben die Rechnung ohne die vielen hundert Esel gemacht, die uns durch ihre wilden Schreie um den Schlaf bringen. Wir bekommen eine Einladung in ein Nomadenzelt, wo Elke versucht, eine Kaschmirziege zu melken und wie wir es geschafft haben, mit Tanzing, Eva und Daniela über den 5300m Hohen Taklang La zu kommen ...


