Elke will sofort losziehen, doch ohne eine gute Vorbereitung geht es nicht, vor allem weil wir ohne Führer und ohne Träger diesen 240 Kilometer langen Trail laufen wollen. Das Schuhwerk und die Klamotten haben wir ja dabei, nur spielt das Wetter in der letzten Zeit nicht mit, ständige, starke, monsunartige Regenschauer verhindern immer wieder unseren Start. Das Wetter wird von Tag zu Tag besser und Elke ist nicht mehr zu halten und wer Elke kennt weiß, was für ein Energie geladenes Bündel sie ist. Zunächst müssen wir uns für die Annapurnaregion eine Permit holen, hierzu braucht jeder von uns vier Passbilder sowie drei verschiedene Formulare, mit jeweils drei Durchschlägen und obendrauf mindesten vier Unterschriften. Wir haben eher das Gefühl, als wollten wir in einem Gefängnis, den Hochsicherheitstrakt besuchen. Nachdem wir diese Prozedur mit einer Spende von 25 Euro hinter uns gebracht haben, besorgen wir uns Kraftfutter für die Wanderung, wie Müsliriegel, Nüsse, getrocknete Früchte und Magnesiumtabletten gegen Wadenkrämpfe. Eine kleine Apotheke wird zusammengestellt, in der sich Verbandszeug, Tapes, Tabletten gegen Durchfall, Schmerzen und gegen die Höhenkrankheit befinden und last but not least brauchen wir natürlich eine gute Karte, auf der wir Höhenprofile, Flussüberquerungen und Unterkünfte erkennen. Obwohl wir nur das Allernötigste in unseren Rucksäcken verstauen, kommen wir immerhin auf 12 Kilogramm, hört sich wenig an, ist aber auf diese lange Distanz ein beachtliches Gewicht. Körperlich sind Elke und ich fit, das haben wir den letzten 4.500 Kilometern mit dem Fahrrad durch Indien zu verdanken. Doch wie sieht es aus beim Wandern, hier werden ganz andere Muskelpartien beansprucht, egal - wir werden jeden Muskelkater nehmen wie er kommt. Bevor es morgen früh los geht, wollen wir heute Abend noch einmal ein gutes 300 Gramm schweres saftiges Steak essen, denn ab Morgen gibt es die nächsten 15 Tage nur noch Dhal Bat, Nudeln und heißen Tee.
Wie wir in 14 Tagen die 280 Kilometer lange Annapurnarunde überstehen, welche Eindrücke wir von den Bergbewohnern bekommen und wie wir diese überwältigende Bergwelt erleben ...


