Kulinarisches Myanmar
Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …
Elke hat die Idee, mit dem Boot nach Mandalay zu fahren, eigentlich nur eine 6 stündige Fahrt,
die sich locker auf 18 Stunden verlängern kann. Hans-Peter und Bruno hatten die gleiche Tour mit dem Boot,
nur umgekehrt versucht, von Mandalya nach Bagan. Die Tour wurde zum Desaster, zweimal lief das Boot auf
eine Sandbank auf und zweimal mussten die Beiden evakuiert werden, dabei waren sie fast zwei Tage lang unterwegs.
Ich bin heilfroh dass Elke auf meinen Vorschlag, die Fahrt mit dem Bus zu unternehmen, eingeht,
obwohl sie weiß, dass ich mit dem Busfahren mittlerweile auf Kriegsfuß stehe.
Wenn man von Bagan kommt ist es natürlich schwer das Erlebte zu toppen, doch da gibt es den Mandalya-Hill,
der zum Sonnenuntergang einlädt. Dann gibt es natürlich den Königspalast, der mindestens einen Umfang von
10 Kilometern hat, einige Klöster, Kirchen, Kunsthandwerkstätten und die berühmte Mahamuni-Pagoda.
Der darin sitzende Buddha hat im Laufe der Jahrzehnte von den Gläubigern so viel Gold aufgedrückt bekommen,
dass er dadurch hässlich und unförmig geworden ist, man schätzt das pure Gold auf fast 12t.
Am zweiten Tag leihen wir uns ein Motorrad aus, kein Helm, keine Versicherung, alles wird mit einem
Handschlag besiegelt. Wir wollen zur U Bein Brücke, die längste Teakholzbrücke der Welt, sie ist immerhin
schon 165 Jahre alt. Sie wird gehalten von 1060 Stämmen, die mittlerweile ziemlich zerbrechlich wirken,
trotzdem laufen wir die 1,2 km lange Strecke, die über einen Damm führt. Auf der Rückfahrt will mich eine
Polizeikontrolle anhalten, doch ich fahre einfach winkend an ihnen vorbei und in der Innenstadt übersehe ich
das Einbahnstraßenschild. Auch hier versucht mich ein Polizist mit seiner Trillerpfeife anzuhalten, mit viel
Glück kann ich ihm entkommen, denn das hätte uns ein paar Tausend Kyat gekostet. Ich bin froh, als wir das
Motorrad unbeschädigt wieder zurückgeben und wir uns auf den Weg zum Abendessen machen.
Kulinarisch hat Mandalya einiges zu bieten, da gibt es zuerst einmal die birmanische Küche, die
grundsätzlich erst einmal aus Reis besteht. Dazu werden verschiedene milde Currys gereicht, die aus Gemüse,
Fisch, Garnelen, Huhn, Schwein, Rind und manchmal auch Lamm oder Hammel bestehen. Gewürzt wird das Ganze mit
Ingwer, Knoblauch, Gelbwurzel, Kümmel, Koriander, Zwiebeln und Salz. Vorbereitet werden die Currys morgens,
damit man sie den ganzen Tag über verkaufen kann. Das hat den Nachteil, dass sich das Öl mit der Zeit
absetzt und nicht für jeden Magen geeignet ist. Obst und Gemüse gibt es natürlich in ganz Myanmar, je
nach Jahreszeit immer frisch und kann auch bedenkenlos gegessen werden. Frische Fische stammen aus der
Region am Inlesee oder an der Westküste, wo er gegrillt am besten schmeckt. Fleisch bekommt man überall in
den Städten, auf dem Land bei der ärmeren Bevölkerung, wird der Eiweißbedarf zum Teil mit gerösteten
Insekten wie Heuschrecken, Larven, Käfern oder Ameisen gedeckt. Die regionalen Küchen unterscheiden sich in
drei Richtungen, die Rakine-Küche im Westen an der Küste, die wesentlich schärfer ist und mit Bohnen und
Linsen zur indischen und bengalischen Küche tendiert. Die Mon-Küche um Bargo arbeitet mit richtig scharfen
Chilis und die Shan-Küche im Norden ist vergleichbar mit der von Nord-Thailand. Letztere Küche liegt mir am
besten, da sie nicht so scharf ist und die größte Vielfalt hat. Entweder wird die Shan-Küche als Büffet
angeboten, wo sich jeder aus mindestens 20 verschiedenen Schalen und Schüsseln selbst bedienen kann, oder
man serviert am Tisch verschiedene Köstlichkeiten auf kleinen Tellern. Es gibt keine Rangordnung, Vorspeise,
Hauptspeise und Desserts werden alle auf einmal serviert, man isst komplett durcheinander und mit mehreren
Leuten, jeder von jedem. Das Beste aus dem Überbleibsel der englischen Kolonialzeit sind die vielen süßen
Gebäckvariationen von Spritzgebäck, Heidesand, Torten und das alles in vielen verschiedenen Farben.
Eigentlich sollten Buddhisten vom Glauben her keinen Alkohol trinken, doch bei Festlichkeiten sieht man die
Männer des öfteren sturzbetrunken umherwanken. Sie geben sich mit ihrem selbstgebrannten Reisschnaps, der
sehr hochprozentig ist, die totale Kannte. Es ist kaum zu glauben, eine Flasche Whisky, Rum oder Gin ist
nicht viel teurer als eine Flasche Bier, da er meist ohne Lizenz gebrannt wird oder Schmuggelware ist. Das
Beste und derzeit populärste Bier ist das Myanmar-Bier, das in guten Bierbars auch gezapft im Glas oder im
Krug ausgeschenkt wird. Da genehmige sogar ich mir als Weintrinker nach einem heißen Tag ein kaltes, frisch
gezapftes Bier.
Für Elke und mich ist die schöne und aufregende Zeit hier in Myanmar leider schon zu Ende.
Es war eine Zeitreise in eine andere Welt, mit fröhlich lachenden Menschen, einer noch erhaltenen
Kulturlandschaft, die weltweit seinesgleichen sucht. Die Reise durch Myanmar ist für Elke und mich ein
weiterer Baustein auf unserer kulinarischen Abenteuerreise um diese schöne Welt.
Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis