Einzigartige Schiffsbaukunst
Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …
Wir sind froh, dass wir jetzt endlich auf dem Boot sind, das uns in die nördliche, sehr abgelegene
Stadt Tarakan von Kalimantan bringt. Die Fahrt geht ein bisschen ins ungewisse, da es im Reiseführer
keine Straßenkarte oder nur wenig Information über Unterkünfte gibt, egal irgendwie geht’s immer weiter.
Nach 5 Stunden erreichen wir den mit Plastikmüll übersäten Hafen von Tarakan und schon werden wir von
unzähligen Motorrad Taxifahrern überrannt, die uns alle für 50000 Rupien in die Innenstadt bringen wollen.
Jetzt heißt es erst einmal umrechnen, für 100€ bekommen wir die unglaubliche Summe von 1.600.000 Rupien,
dann sind 50.000 Rupien ungefähr 3€. Auf der Fahrt zur Innenstadt erkenne ich schon die ersten
Unterschiede, Garküchen nennt man hier Kantina, Kiosk oder Warung, ein Restaurant heißt Resto und eine
Unterkunft Losman. Wir kommen in einem der drei Hotels unter, das sehr sauber und günstig ist.
Nachdem wir uns frisch gemacht haben, erkunden wir die Stadt nach etwas essbarem, was gar nicht so
einfach ist. Das kulinarische Angebot gegenüber Malaysia ist sehr deutlich reduziert, so bekommen wir
fast überall nur gekochten Reis angeboten, dazu gegrilltes Hühnchen und Fisch, meistens auf dem
Holzkohlengrill verbrannt. Elke und ich sind die einzigen Touristen und genauso werden wir begutachtet
und belächelt, wir kommen uns vor wie Außerirdische. Gerade der Nord-Osten Kalimantan ist am wenigsten
vom Tourismus erschlossen. Trotz der immensen Waldzerstörung gibt es immer noch genug Lebensraum
für die Orang-Utans und die seltenen Nasenaffen. Die riesigen Urwaldströme, die den indonesischen Teil
Borneos durchziehen, sind oft die einzigen Lebensadern. Die wenigen Straßen, die es hier gibt, sind
meistens nicht geteert und werden überwiegend von großen LKWs der Holzfällerindustrie genutzt.
Wir beschließen weiter zu Reisen, aber wie? Mit dem Boot ist es zurzeit nicht möglich da die Fähren
eingestellt sind, mit dem Bus brauchen wir in die nächstgrößere Stadt fast 2 Tage, also beschließen
wir zu fliegen. Der Flug über Balikpapan nach Makassar auf die Insel Sulawesi startet morgens früh um
6 Uhr, das heißt, wir müssen um 4 Uhr am Flughafen sein. Super, sag ich zu Elke, dann können wir ja
die Nacht auf dem Airport verbringen und wir sparen eine Übernachtung. Auf dem Flughafen gibt es
weder einen Warteraum noch gibt es Sitzgelegenheiten oder einen Ventilator und das bei 38 Grad Hitze.
Also wieder zurück ins Hotel, um im heruntergekühlten Zimmer die halbe Nacht zu verbringen.
Eigentlich sollte der Nachtportier uns um halb vier am Morgen wecken, doch der schläft tief, als
ich ihm den Schlüssel für unser Zimmer hinlege.
Der Flug nach Makassar ist sehr angenehm, wir überfliegen viele kleine unbewohnte Inseln mit
schneeweißen Stränden und tiefblauen Wasser. Da wird einem erst einmal bewusst, wie groß das
indonesische Inselreich mit seinen 17.800 registrierten Inseln ist.
Die Insel Sulawesi hat fast die gleiche Nord-Süd-Ausdehnung wie Deutschland, nur das der Norden
über dem Äquator liegt und der Süden und Westen darunter. Manche glauben, in der eigenwilligen Form
der Insel eine Orchidee, andere wiederum einen Tintenfisch und Elke einen Drachen darin zu sehen.
Wir landen zirka 30 Kilometer außerhalb der 1,6 Mil. Stadt Makassar. Ein freundlicher Taxifahrer
erzählt uns auf der Fahrt in die Innenstadt vieles über die Insel Sulawesi, über seine Familie und
seine Herkunft. Er versucht uns, eine Tour nach Tana Toraja zu verkaufen, seine Familie lebt dort
und da er sich gut auskennt möchte er uns diese schöne Ecke zeigen. Er bietet sich an, uns für
umgerechnet 40€ am Tag durch ganz Sulawesi zu fahren, das Benzin, seine Übernachtungen und das
Essen sind im Preis mit eingerechnet. Das hört sich im ersten Moment gut und günstig an, hinzu kommen
für uns noch die Kosten für Übernachtung und das Essen. Für einen Urlauber, der sich in 2–3 Wochen eine
Insel wie Sulawesi anschauen möchte, ist so ein Angebot ideal, er braucht sich um nichts zu kümmern.
Die Stadt Makassar hat bis auf ein paar Sehenswürdigkeiten, einen Hafen und ein paar Nachtmärkte
wenig zu bieten. In einem Warung wird mir die Spezialität Coto Makassar angeboten, eine Suppe, die
nicht jedermanns Sache ist. Sie besteht aus einer kräftigen Rindfleischbrühe, deren Einlagen
überwiegend aus Pansen und anderen undefinierbaren Innereien besteht und dazu wird in einem
Bananenblatt eingepresster Reis serviert. Elke spricht ein deutsches Pärchen an, die so wie wir
nach einer günstigen Weiterreise suchen und da wir uns auf Anhieb sympathisch sind, beschließen wir,
gemeinsam nach Bira im Süden Sulawesis zu reisen. Sehr schnell finden wir einen geeigneten Kleinbus,
bei dem wir einen akzeptablen Preis aushandeln und schon geht’s immer an der Küste entlang durch
malerische Dörfer. Unser Fahrer fährt nach dem Motto der Stärkere gewinnt: Zebrastreifen und Ampeln
werden ignoriert und bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 25km/h fahren wir genau 100km/h
schneller. Kurz vor Bantaeng passieren wir ausgedehnte Salzgewinnungsanlagen, bei denen das
getrocknete Salz wie eine weise Schneelandschaft wirkt.
Einige Kilometer weiter hält unser Fahrer in der kleinen Ortschaft Tanaberu. Hier werden an den Stränden
in mühevoller Handarbeit bis zu 40m lange Fischerboote, auch Bugis-Schoner genannt, nach Originalplänen
der Holländer angefertigt. Wir können die bis zu 400t schweren Boote, die alle mit Holzdübeln zusammen
gehalten werden, in ihren verschiedenen Bauabschnitten bewundern. Die verbleibenden Ritzen zwischen den
Holzplanken werden mit Kapokfasern oder mit Baumrinde abgedichtet. Diese einzigartige und aussterbende
Schiffsbaukunst wird von der ethnischen Gruppe der Bugis, die als Seefahrer, Fischer und Händler sich
entlang der Küste angesiedelt haben, für Generationen weiter vermittelt. Vor fast genau 19 Jahren
haben wir den Australier Phil in Thailand kennen gelernt, er hatte sich hier in Sulawesi ein Segelboot
bauen lassen. Damals wollte er uns für 14 Tage durch die Inselwelt Thailands und Malaysias mitnehmen,
leider haben wir dieses tolle Angebot nie angenommen. Es war das schönste Segelboot, das ich bis dahin
gesehen habe und mein Traum war es immer, einmal im Leben zu sehen, wie diese tollen Boote gebaut
werden und jetzt stehe ich hier vor diesen faszinierenden Holzbooten. Elke fotografiert die Boote
aus allen Blickwinkeln und ich kann mich von diesem Anblick gar nicht trennen, bis uns der Taxifahrer
zur Weiterfahrt drängt. In Bira, meint unser Fahrer, werden die richtig großen Boote gebaut,
da habt ihr genug Zeit, euch alles in Ruhe anzuschauen.
Wie es weiter geht, was wir alles in dem kleinen paradiesischen Bira erlebten und wie wir
bei der muslimischen Familie von Riswan ein kleines Zuhause bekommen, erfährt Ihr,
wenn wir wieder zuhause sind, bei einem guten Glas Wein oder bei unseren beliebten
kulinarischen Diashows, vielleicht auch in einem kleinen Buch der Weinschmitts.
Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis