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Burmas Küche mit Frankfurter AkzentHallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen … In Bago angekommen werden wir gleich von einem netten Burmesen abgeschleppt. Er verspricht uns das Blaue vom Himmel, gutes Hotel mit Frühstück. Es muss sauber und bezahlbar sein, sage ich zu ihm. Als ich im Zimmer stehe, kann ich es nicht glauben, genauso versifft, wie das Garden Hotel in Yangon. Nur hat das Zimmer einen Gefängnis ähnlichen Charakter und die herausgerissenen Stromleitungen in der Dusche führen bei einer falschen Bewegung garantiert zum sofortigen Tod.
Im Restaurant 199, das eigentlich auch nicht hierher passt, lassen wir uns beim Flussufer nieder. Der Chef persönlich kommt mit einer Speisekarte in der Hand auf uns zu und spricht uns direkt auf Deutsch an. Moment mal, sage ich zu Elke, den Akzent kenne ich doch, das ist doch Hessisch. Da muss sogar Myo lachen, ja sagt er, ich habe über 15 Jahre in Frankfurt gelebt und in den verschiedensten Restaurants und Hotels gearbeitet. Ich schüttle den Kopf, ein Burmese der hessisches Platt spricht, trinkst du auch Appelwoi frag ich ihn, nein, sagt er und verzieht das Gesicht, den bekomme ich bis heute nicht runter. Elke fragt ihn: “Wie bist du denn nach Deutschland gekommen?” Mein Onkel lebt in Deutschland, der war der Meinung, dass einer von unserer Familie etwas Vernünftiges lernen sollte und da hat man mich auserwählt. Ich habe meinen Schulabschluss in Frankfurt gemacht, danach habe ich in den Restaurants und Hotels gearbeitet, meistens in der Küche. Ich habe viele Stunden, Tag und Nacht gearbeitet, die Bezahlung war schlecht und geschlafen habe ich in einer Besenkammer. Das Geld, das ich verdiente, habe ich nach Hause zu meiner Familie geschickt, das bisschen, was mir blieb reichte nicht zum Leben und nicht zum Sterben. Aber ich war gerne in Deutschland, ich habe viel gelernt, wie Ordnung, Sauberkeit und Pünktlichkeit und es hat viel Spaß gemacht. Vor drei Jahren habe ich hier mein Restaurant eröffnet, es läuft ganz gut, ich selbst habe aber auch nicht mehr Geld wie in Deutschland. Meine ganze Familie muss ich mit ernähren, meine Eltern, meinen Bruder, der Alkoholiker ist, und nichts arbeitet, meine Schwester und ihren Sohn und drei andere Geschwister. Ich selbst habe kein Geld zum Heiraten, aber wenn ich so weiter mache, reicht es vielleicht in fünf Jahren, sagt Myo lachend. Ich lasse Euch etwas Gutes zu Essen machen, ich habe einen guten Küchenchef, aber als erstes bekommt ihr ein frisch gezapftes Bier.
In den Ecken sitzen alte gegerbte Burmesen, mit dicken Zigarren im Mund. Ihre Rauchfahnen und der herbe Duft ziehen um unser Frühstück herum. Ich weiß nicht genau, wo ich mich in diesem Moment befinde, in Marokko in einem alten Suck, in Indien bei den Maharadschas, oder bei Fidel Castro in Havanna. Eins ist klar, sage ich zu Elke, wenn wir hier wohnen würden, wäre das meine Stammkneipe. Die zweite Runde unserer Tempeltour steht an, wieder zu Fuß nur dieses Mal in die andere Richtung. Wir laufen durch viele zerfallene Tempelanlagen, durch restaurierte Pagodas, durch neue Anlagen, die gerade fertiggestellt wurden und welche die gerade gebaut werden. Natürlich mit noch größeren Buddhas, noch größeren Hallen und noch mehr Gold. Ich kann das alles nicht so richtig verstehen, die Menschen hier leben an der Armutsgrenze, haben fast nichts zu beissen und dann dieser Prunk. Sicherlich mache ich mir wieder mal zu viele Gedanken, Louis, sage ich zu mir, auch wenn du es wieder mal nicht verstehst, akzeptiere es einfach.
Die Chefin hat meine Beobachtungen bemerkt und fängt an zu grinsen und es dauert auch noch eine Weile, bis sie mit der Sache herausrückt. Naja, sagt sie, wo sollen sie denn auch hin, zu mir kommen Junge wie Alte, die Zuhause keine freie Minute haben. Auch ich musste jetzt grinsen und sage, dass ist nicht nur in Myanmar so, das ist doch überall auf der Welt das Gleiche, worauf wir beide lauthals lachen müssen. Als uns Myo sieht, hält er schon ein Bier in der Hand, er freut sich, dass wir ihn wieder beehren. Elke und ich haben Hunger, wir sind gespannt, was uns der Küchenchef heute Abend serviert. Freudestrahlend kommt er persönlich aus der Küche und serviert uns einen interessanten und lecker schmeckenden Tea-Leafsalat, dessen Zubereitung er uns erklärt. Zuerst werden Teeblätter in Wasser und Essig eingelegt, dazu kommen Streifen von Karotten und Weißkraut, Knoblauch und Zwiebeln, im Mörser zerkleinerte getrocknete Shrimps, Tomatenstückchen und eine kleine Chilischote, je nach Schärfe, dazu. Das Ganze mit Pfeffer, Salz und Zitronensaft abmischen, auf dem Teller servieren und als Top, eine Röstmischung bestehend aus verschiedenen Nüssen, Knoblauch, gelben Linsen und Bohnen drüber streuen. Dazu fehlt nur noch ein Auxerrois von Priska und Robert Schneider vom Weingut Rössler-Schneider in St Martin, dann wäre das Essen perfekt. Der zweite Gang kommt mir sehr gelegen, gekochtes Ziegenfleisch in einer kräftigen Zwiebel-Knoblauchsoße und dazu herrlichen Duftreis. Da fehlt eigentlich nur der kräftige St. Laurent von Hartmut Bender, Weingut Kronenberg aus Kallstadt, darf man träumen. Wir verabschieden uns von Myo, seiner Familie und seiner Küchenmannschaft, bedanken uns für die hervorragende Bewirtung und wünschen ihm, dass er alles erreicht, was er sich vorgenommen hat. Mit den liebsten Grüßen
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